Quelle: Bild.de vom Samstag, 31. Dezember 2016
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Mein Papa Camillo Ugi

Es geht um weit mehr als nur einen Meisterstern. Mit der geplanten Fusion mit dem VfB Leipzig will der 1. FC Lok die Traditionslinie des 1. Deutschen Meisters weiter erhalten.„Und das würde meinem Vater sehr gefallen“, weiß Heidi Lehnert (77). Sie ist die Tochter des großen Camillo Ugi (†85), der mit dem VfB 1906 den zweiten Titel holte – und in Markkleeberg seine letzte Ruhestätte hat.

Ein Mann, der nicht nur im Leipziger Fußball Spuren hinterließ! Er war Rekord-Nationalspieler vor dem 1. Weltkrieg. In 15 Länderspielen führte er Deutschland neun Mal als Kapitän aufs Feld. Und er war quasi der erste deutsche Auslandsprofi!Fußball-Historiker André Göhre (49): „1905 bekam er ein Angebot aus Sao Paulo in Brasilien. Da hat er seinen Koffer gepackt und dort beim damaligen SC Germania gespielt. Das Heimweh hat ihn aber schon drei Monate später zurück getrieben. Er hat sich dann beim VfB angemeldet und ist gleich Meister geworden.“

Seinem Klub ist Ugi trotz diverser Wechsel (er spielte unter anderem in Dresden, Frankfurt und Marseille) zeitlebens verbunden geblieben. Heidi Lehnert lächelt bei den Erinnerungen: „Im Plache-Stadion habe ich meine Kindheit verbracht. Zu jedem Spiel sind wir von Markkleeberg aus mit dem Fahrrad hin gefahren.“
Camillo Ugi mit der Meistermannschaft von 1906

Leider blieben Camillo nur drei Töchter vergönnt. Dabei hatte er sich immer einen Sohn gewünscht, der in seine Fußstapfen tritt. Immerhin schaffte es sein Ur-Enkel Felix Diener (29), später mal für den VfB zu kicken.Zum Schluss klärt Heidi Lehnert noch einen großen Irrtum auf: „Es wurde ja immer gesagt, dass er der Sohn eines Italieners ist. Weil er mit seinen schwarzen Locken auch wie einer aussah. Doch sein Vater, mein Großvater, ist in Baden-Baden geboren. Seine Spuren führen allerdings zurück in die italienische Schweiz.“

Von: ANDRÉ SCHMIDT