Quelle: Leipziger Volkszeitung vom Sonntag, 09. Dezember 2018
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Sicherheit geht vor

Lok überwintert nach dem 0:0 gegen Viktoria Berlin auf Regionalliga-Platz 8

Leipzig. Diese Woche verkündete der 1. FC Lok Leipzig, dass beim Pokalderby gegen die BSG Chemie keine Anhänger mitfahren werden. Die 500 zur Verfügung gestellten Auswärtstickets wird der Verein aus Probstheida zurückschicken. Damit spielten die Lok-Spieler beim gestrigen 0:0 gegen FC Viktoria 1899 Berlin nicht nur das letzte Mal in diesem Jahr daheim, sondern auch zum letzten Mal vor eigenen Fans.
„Es ist für den Fußball keine schöne Entscheidung“, beklagt Mittelfeld-Spieler Sascha Pfeffer. „Aber man muss sie im Kontext mit den Sicherheitsauflagen und den Ausschreitungen in der Vergangenheit sehen. Sie ist sicherlich vertretbar.“ Großen Einfluss auf die Leistung soll der Fanboykott aber nicht haben. „Das darf uns nicht beeinflussen“, sagt der 32-Jährige. „Und es hat auch was Geiles, wenn 5000 Leute dich auspfeifen. Daraus müssen wir Selbstvertrauen ziehen.“

Auch Trainer Björn Joppe und Geschäftsführer Martin Mieth deuteten auf die Sicherheit hin und stehen hinter der Entscheidung. „Wir wollten die Ticketanzahl nicht akzeptieren, aber natürlich wollen wir auch keine Auseinandersetzung. Da spielt beides eine Rolle“, so Mieth. Sicherheit geht vor – neben und ebenso auf dem Platz. „Hauptsache zu Null“, rief nämlich Björn Joppe seine Marschroute für die Partie gegen Viktoria Berlin aus

Dank des unermüdlichen Kampfes der blau-gelben Hintermannschaft und freundlicher Mithilfe einer weit unter ihren Möglichkeiten agierenden und anscheinend frierenden Offensivreihe der Berliner ging sein Plan auf. Bei eisigem Wind blieb Lok im siebten Pflichtspiel hintereinander ungeschlagen, außerdem war es die dritte Partie in Folge ohne Gegentor. Die Startaufstellung blieb im Vergleich zur Nullnummer in Meuselwitz fast unverändert, einzig Lovro Sindik kam für den gelbgesperrten Urban in die erste Elf. Paul Schinke rückte überraschend in die Innenverteidigung – die Nummer 10 als Abräumer.

„Unsere Leistung war ein Spiegelbild der letzten Wochen, in denen wir uns als Team weiterentwickelt haben“, sagte Sascha Pfeffer nach Abpfiff. Auch Kapitän Robert Zickert war zufrieden mit dem „Spiel auf Messers Schneide. Beide hätten gewinnen können“. Joppe ging sogar weiter: „Wir hätten den Sieg verdient!“

Tatsächlich waren die Blau-Gelben die spielbestimmende Mannschaft, kamen durch schöne Kombinationen immer wieder gefährlich vors Tor. Doch das sprint-, grätsch-, aber auch kombinationsbetonte Spiel der Leipziger kostete Kraft. Konzentrations- und Technikfehler sowie die Latte nach einem Kopfball von US-Mann Ryan Malone verhinderten drei Punkte.

Nach dem Liga-Alltag kann sich nun endlich jeder voll und ganz aufs Pokalviertelfinale am Samstag freuen. „Es ist mein erstes Derby. Was ich bis jetzt mitgekriegt habe, ist der Wahnsinn. Ich hatte das Gefühl, die Liga-Ergebnisse sind egal – Hauptsache wir schlagen Chemie“, gibt Joppe Einblicke. „Wir wollen die weghauen und danach Weihnachten feiern“, freut sich Pfeffer auf stimmungsvolle Tage.

Nach Neujahr geht’s für ihn und seine Mitspieler ins Türkei-Trainingslager. Joppe wird bis dahin eine Verstärkung (mit A-Lizenz) bekommen. Am Donnerstag ist eine Pressekonferenz geplant, laut Mieth geht es um „eine Personalie“.